Voilà: Der Unique Visitor – das derzeit wohl begehrteste Mysterium im Internet

Ohne ihn kommt keine Webanalyse, kein Tracking-Tool aus: Der Unique Visitor. Und doch ist seine Existenz zumeist unsicher. Wer ist er überhaupt und wie kriegt man ihn zu fassen? Während die meisten Tracking-Tools mit Cookies operieren, um des Unique Visitors habhaft zu werden, scheitert dieses Vorhaben kläglich, wenn dieser die Löschfunktion für Cookies nach Beendigung des Webbrowsers aktiviert hat. Hat sich der scheinbar eindeutige Besucher vielleicht doch inkognito nun zum wiederholten Male umgesehen und die Statistik verfälscht? Rettung aus der Verunsicherung verspricht die Annäherung an die elektronische Persönlichkeit des Besuchers – seine Browser- oder Hardwareeinstellungen und genutzte Programme können Indikatoren sein, die über ein solches elektronisches Profil eine Annäherung an das Individuum ermöglichen. Doch hat man wirklich denselben Nutzer identifiziert, der vor drei Tagen auf der Website war? Mit hoher Wahrscheinlichkeit – aber: Wer weiß es schon genau…

Mehr noch als die tatsächliche Einzigartigkeit der Person stellt anscheinend jedoch bereits der Begriff des Unique Visitors Laien wie Fachleute vor ein Problem: Im Netz herrscht hierzu eine nahezu babylonische Sprachverwirrung. Weit verbreitet ist z. B. der Begriff des „Unique Visitor“, doch will man die einzelnen Besucher einer Seite beschreiben, so stehen noch zahlreiche andere Begriffe zur Verfügung: Als „Unique User“ bezeichnet ibusiness den gleichen Sachverhalt, Techdivision bezeichnet Unique Visitors auch als „Unique Clients“, die sie als „einzelne Leser bzw. Besucher“ definieren und sicherheitshalber auch noch als „Unique User“ anführen, nielsen benutzt in einer Pressemeldung vom 23. Dez. 2008 den Begriff einer „Unique Audience“, wird in einer Bekanntmachung von stellenanzeigen.de mit dem Begriff des „Unique User“ zitiert und entscheidet sich in seinem englischsprachigen Blog für den Begriff des „Unique Visitor“. Omniture schließlich deutscht ein und nennt diese Besucher in der deutschen Version „individuelle Besucher“. Wen wundert es, wenn hier selbst Webanalyse Experten verwirrt sind und sich freuen, dass es nun neben den „absolut eindeutigen Besuchern“ auch den „Unique Visitor“ gibt. Könnten diese zufällig identisch sein?

Es ruft förmlich nach Standardisierungen – nicht nur bei Werbemitteln und Mindestanforderungen im Online Marketing, sondern bereits auf der viel früher anzusiedelnden sprachlichen Ebene. Der Begriff des Unique Visitor scheint dabei das Rennen um den beliebtesten Begriff zu machen. Und vielleicht wird dadurch auch das Mysterium um seine Person ein wenig gelüftet…